Investmentbrief

 

 

Sehr geehrter Anleger,

in unsere Investmentbriefen heben wir regelmäßig die Bedeutung des fundamentalen, makroökonomischen Weltbilds für den Erfolg eines (vermögensverwaltenden) Investmentfonds hervor. Wir weisen darauf hin, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme die korrekte Bewertung der Wirtschafts- und Finanzmärkte ausschlaggebend für die richtigen Investmententscheidungen in der Zukunft ist. Wir wollen daher nachfolgend einen kurzen Überblick in die für unsere Entscheidungen maßgebliche volkswirtschaftliche Theorie geben, die jedoch am Markt nur von einer Minderheit verfolgt wird: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie.
 
 
 
 
 
 

Klassische Nationalökonomie, neoklassische Theorie und der Nutzen

Ausgangspunkt für die Mehrzahl der heute verfolgten ökonomischen Theorien war das Werk "Der Wohlstand der Nationen" des Schotten Adam Smith aus dem Jahre 1776. Smith entwickelt in seinem Werk keine eigene geschlossene Theorie, sondern fasst nur zahlreiche Erkenntnisse zusammen, die heute als "klassische Nationalökonomie" bekannt sind. Wichtige Begriffe, die sich hiermit in Verbindung bringen lassen, sind das Prinzip des Eigeninteresses, die Gleichgewichtsthese und die Arbeitswerttheorie bzw. die der Produktionskosten. Die Arbeitswerttheorie besagt (vereinfachend), dass der Wert eines Wirtschaftsgutes, wenn dieses einen Gebrauchswert besitzt, sich nach der Arbeit bemisst, die (üblicherweise durchschnittlich) notwendig ist, um dieses Wirtschaftgut herzustellen. Auf diese Weise hätte man für den Wert eines Gutes einen objektiven Maßstab.
Um 1870 wurde die klassische Ökonomie als vorherrschende Lehre von der Neoklassik abgelöst. An Stelle der Arbeitswertlehre entstand mit der Grenznutzentheorie eine subjektive Wertlehre. Der Begriff des Nutzens wurde dem Utilitarismus entlehnt. Wirtschaftlich betrachtet ist der Nutzen die Eigenschaft oder Fähigkeit eines Gutes, die Bedürfnisse eines Wirtschaftssubjektes (=Marktteilnehmers) zu befriedigen. Als Basis der neoklassischen Werttheorie bestimmt der (individuelle) Nutzenkalkül den Tauschwert eines Gutes. Das bedeutet, je höher der Nutzen eingeschätzt wird, desto höher wird der vom Wirtschaftssubjekt akzeptierte Tauschwert des Gutes sein. Für die Erklärung des zu beobachtenden wirtschaftlichen Handelns ist der Begriff des Nutzens zwar grundlegend, bedeutsamer ist jedoch das Konzept des Grenznutzens, welches ursprünglich von Hermann Heinrich Gossen (1810 - 1858) formuliert wurde. Als Grenznutzen wird der Nutzenzuwachs durch den Konsum einer zusätzlichen Mengeneinheit des betrachteten Gutes bezeichnet. Dementsprechend wird der höchste Nutzen bei der Menge des Gutes erreicht, bei der der Konsum einer weiteren Mengeneinheit keinen zusätzlichen Nutzen mehr stiftet. Dies wurde von Gossen in den sog. Gossen'sche Gesetze formuliert:

  • Das erste Gossen'sche Gesetz wird das "Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen" genannt. Es besagt: Mit steigenden Verbrauchsmengen eines Gutes nimmt der Nutzenzuwachs (Grenznutzen) ab, falls sich der Verbrauch der übrigen Güter nicht ändert. Es bedeutet, dass man z. B. beim zunehmenden Verzehr von Kuchen immer satter wird, dass also der Nutzenzuwachs je Stück mit jedem zusätzlich verzehrten Stück Kuchen kleiner wird, weil eben das Sättigungsgefühl immer stärker wird.
  • Das zweite Gossen'sche Gesetz wird das "Gesetz vom Ausgleich der Grenznutzen" genannt. Es besagt: Ein Wirtschaftssubjekt maximiert seinen Nutzen dann, wenn es die Güter in entsprechenden Mengen verbraucht, so dass die Grenznutzen der jeweils letzten verbrauchten Mengeneinheit der verschiedenen Güter gleich groß sind. Zur Verdeutlichung beschränkt man sich meistens auf zwei Güter, die alternativ verbraucht werden können, zum Beispiel Brot und Wasser. Da Durst bekanntlich schlimmer ist als Hunger, wird jemand zunächst das Wasser trinken und erst dann ein Brot essen. Die Reihenfolge verschiebt sich mit zunehmenden Verzehr, aber immer wird der höher eingeschätzte Grenznutzen die Auswahl bestimmen.
Die Theorie des Grenznutzens wurde von mehreren Ökonomen weiterentwickelt. Als führend waren unter anderem die Cambridge-School von William Jevons und die Lausanner Schule um Léon Walras. Die Schulen haben eine Vielzahl wichtiger Ökonomen hervorgebracht, welche bis zum Zweiten Weltkrieg die Wirtschaftstheorie entscheidend prägten: Zur Cambridge School gehören neben Jevons der englische Ökonom Alfred Marshall, Francis Edgeworth, Arthur Pigou und John Maynard Keynes. Zur Lausanner Schule, welche prägend für eine stärkere mathematische Ausgestaltung der ökonomischen Theorie war, zählt neben Walras vor allem Vilfredo Pareto, Eugenius Slutsky und Irving Fisher, der wohl wichtigste US-amerikanische Ökonom in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sowie im weiteren Sinne auch Paul A. Samuelson.

 

 
 
 
 
 
 

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Neben diesen beiden heute dominanten neoklassischen Strömungen der Wirtschaftswissenschaft hat sich eine dritte Schule herausgebildet, die sog. "Österreichische Schule der Nationalökonomie". Deren Vertreter lehnen staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ab und sprechen sich gegen Inflation und das Zentralbank-System aus. Große Aufmerksamkeit erlangte diese seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008, da sie die Ursachen und den Verlauf der Krise sehr genau vorhersagen konnte.
Entstanden ist dieser Zweig der Wirtschaftswissenschaft in Wien im 19. Jahrhunderts. Als Begründer gilt der Nationalökonom Carl Menger (geboren am 23.2.1840 in Neu-Sandez/Galizien, gestorben am 27.2.1921 in Wien). Im Zentrum der österreichischen Schule steht die von Menger in seinem 1871 veröffentlichten Buch "Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" ausgearbeitete Theorie des subjektiven Wertes. Danach sind Preise nicht der Ausdruck von Produktions- und Arbeitskosten, wie man in weiten Teilen der Wissenschaft immer wieder annimmt. Wirtschaftgüter an sich sind zunächst einmal wertlos. Ihr Wert wird ausschließlich durch den Nutzenzuwachs bestimmt, den sich der Handelnde hiervor verspricht, dem subjektiv erwarteten Grenznutzen. Schließlich wird jede menschliche Handlung immer in der Absicht und dem Ziel unternommen, die eigene ursprüngliche Ausgangslage zu verbessern. Das Erkenntnisziel ist damit im Wesentlichen auf das systematische Begreifen und Verstehen der Pläne und Handlungen anderer Marktteilnehmer gerichtet. Durch Begreifen versuchen wir den kausal-genetischen Sinn menschlichen Handelns zu erfassen, ohne zunächst dessen Zweck und Ziel zu berücksichtigen. Das Verstehen, das Nachvollziehen einer Situation, ist hingegen auf das Erfassen des Sinnes gerichtet, den handelnde Menschen mit ihren subjektiven Zwecken und Zielen verbinden. Somit kann die Schule nichts darüber aussagen, wie der Einzelne handeln soll, sondern nur zeigen, wie er handeln müsste, um die Ziele zu erreichen, die er sich subjektiv gesetzt hat.
Exklusive und durchsetzbare Eigentumsrechte sind Voraussetzung für das Funktionieren von Märkten. Ein Markt entsteht durch die spontane und freiwillige Interaktion einer Mehrzahl von Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, Bedürfnissen und Absichten. Wettbewerb und Märkte sind somit das Resultat menschlichen Handelns. Sie haben weder eine bestimmte Richtung noch ein Ziel. Durch nicht vorhersehbare Umstände ordnen sich unsere individuellen Bedürfnisse und Präferenzen im Wettstreit ständig neu, wobei dem Markt die Koordinierungsfunktion zukommt. Die in Märkten gebildeten Preise sind damit dynamisch und üben jene entscheidende Signalfunktion aus, durch die die Erwartungen und das Wissen aller Teilnehmer koordiniert und die Nachfrage nach Gütern und Leistungen bestimmt und gesteuert wird. Jede Behinderung oder Verfälschung des Wettbewerbs muss in der Marktwirtschaft daher zu Fehlallokationen, falschen Entscheidungen und zu ungewollten Konsequenzen und Verwerfungen führen.
Die österreichische Schule unterscheidet zwischen zielunabhängigen und zielgerichteten Regeln, wobei die ersteren vom Resultat unabhängig nur den Ablauf regeln und somit marktkonform sind (etwa Spielregeln, Strassenverkehrsvorschriften, Hausordnungen, usw.). Hingegen sind jene Gesetze, die auf das Erreichen kollektiv festgelegter Ziele gerichtet sind (etwa die Umverteilung im Wohlfahrtsstaat, die sogenannte "soziale Gerechtigkeit", Einkommensbeschränkungen, usw.), mit einer Marktwirtschaft inkompatibel. Da Regeln immer nur Anpassungen an die unvermeidliche Unkenntnis der konkreten Umstände sind, von denen die Auswirkungen unserer Handlungen abhängen, löst jeder wirtschafts- und gesellschaftspolitische Eingriff weitere Interventionen aus. Dem Subsidiaritätsprinzip folgend sollten Regierungen mittels ihrer Zwangsgewalt daher nur in Ausnahmesituationen in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozess eingreifen, um einen bestimmten Zustand wieder herzustellen. Marktkonforme Interventionen sind daher praktisch nicht möglich.
Die österreichische Schule sieht in einer Gesellschaft das ungeplante Ergebnis eines freiwilligen Zusammenlebens unabhängiger Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen. Eine Gesellschaft kann daher weder kollektive Ziele verfolgen noch solidarisch handeln und muss klar von einer Organisation unterschieden werden. Nur in einer Organisation kann jedes Mitglied vertraglich oder sozial gezwungen werden, zur Realisation eines definierten Zweckes oder Zieles beizutragen. Der moderne Wohlfahrtsstaat entspricht in seiner gegenwärtigen Zielsetzung daher bereits einer Organisation, die folgerichtig zum fortschreitenden Verlust individueller Freiheit und unternehmerischen Handelns führen muss.
Ludwig von Mises (geboren am 29.9.1881 in Lemberg/Österreich-Ungarn, gestorben am 10.10.1973 in New York) wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch sein Privatseminar in der Handelskammer in Wien zur zentralen Figur und zum Motor der Erneuerung der Österreichischen Schule. Gemeinsam mit Friedrich August von Hayek (geboren am 8. Mai 1899 in Wien, gestorben am 23.3.1992 in Freiburg) gründete er das Institut für Konjunkturforschung. Er erarbeitete ein Konjunkturmodell, das in der inflationären Ausweitung der Geldmenge die Ursache von Boomphasen und der anschließenden Depression erfasste. 1940 veröffentlichte er das Buch "Nationalökonomie", das die gesamten Lehren der Österreichischen Schule zusammenfassen sollte.

 

Die Österreichische Konjunkturtheorie

Die Geburtsstunde der Österreichischen Konjunkturtheorie ist das Erscheinen von Mises bedeutendem Werk "Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" im Jahre 1912. Diese wurde später von Hayek weiterentwickelt, wofür dieser im Jahr 1974 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat. Eine zentrale Rolle in der Konjunkturtheorie spielt der Zins. Dieser entsteht aus der Regel, dass im Normalfall ein Gut in der Gegenwart konsumiert wird. Wird das Gut erst in der Zukunft konsumiert, dann wird hierfür eine "Entschädigung" erwartet. In Geld ausgedrückt: Niemand gibt 1000 EUR hin, um nur 1000 EUR in einem Jahr zu erhalten. Man verlangt Zinsen. Der Zins hängt immer von den Beteiligten an solchen Geschäften ab und spiegelt deren Vorstellungen über den Vorzug des Jetzt gegenüber der Zukunft wieder. Zinsen sind also nicht vorgegeben, sondern die Folge der individuellen Präferenzen aller Menschen, die Geldleihe betreiben. Sie spiegeln wider, in welchem Umfang "echte" Ersparnisse (Kapital) zur Verfügung stehen und in welchem Umfang von den Marktteilnehmern konsumiert wird. Denn entweder kann man Güter (Kapital) verleihen und erst später konsumieren oder man konsumiert sie im Jetzt. Beides gleichzeitig geht nicht.
Der Zins für vorhandenes Kapital ist gleichzeitig ein Signal. Ist der Zins hoch, dann wollen die Menschen lieber im Jetzt konsumieren und nicht auf die Zukunft warten: es steht wenig Geld zum Ausleihen zur Verfügung. Umgekehrt zeigt ein niedriger Zins an, dass ein hohes Angebot an Geld zur Verfügung steht, das von den Geldgebern erst in der Zukunft gebraucht wird. Ein Konjunkturzyklus entsteht nun durch sich verändernde Präferenzen der Konsumenten. Sie hat ihre Wurzel in dem von Zeit zu Zeit unterschiedlichen Wunsch der Menschen nach mehr oder weniger aktueller Bedürfnisbefriedigung, was sich im Normalfall in der entsprechenden Veränderung des Zinssatzes ausdrücken sollte.
Unternehmer benötigen dieses Signal für ihre Entscheidungen, da sie entsprechend der höheren oder geringeren Nachfrage nach Konsumgütern ihrerseits die Nachfrage nach Produktionsmitteln gestalten. Ein niedriger Zinssatz führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Produktionsmitteln, da Unternehmer den Produktionsprozess verlängern (das Gut wird erst später gebraucht) und die Struktur der Produktion kapitalintensiver wird. Ein höherer Zinssatz führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Konsumprodukten. Unternehmer werden längerfristige Erweiterungen der Produktion aufgeben, den Produktionsprozess verkürzen und die Struktur der Produktion wird weniger kapitalintensiv.
Dieser Anpassungsprozess dauert seine Zeit. Produktionskapazitäten können nicht von jetzt auf gleich geschaffen werden, wie auch die Beendigung kapitalintensiver Produktion Zeit benötigt. Neben der Zeit braucht der Unternehmer, der etwa bei fallenden Zinsen seine Produktion ausweiten möchte, Darlehen. Im Wettbewerb um Darlehen von den Banken werden nur die Unternehmer erfolgreich sein, deren Investition in Produktionsmittel den größten Ertrag verspricht: Sie können den Banken den höchsten Zins und die größte Sicherheit bieten. Die Produktion wird dementsprechend umgestaltet.
Neben der Umgestaltung der Produktion hat die Veränderung des Zinssatzes auch Auswirkungen auf das kurzfristigere Kreditvolumen. Ein Absinken des Zinssatzes wirkt sich auch am kurzen Ende in Form niedriger Zinsen für kurzläufigere Darlehen aus. Daher steigt bei sinkenden Zinsen die Möglichkeit der Unternehmer, kurzfristig Kredit von Banken zu bekommen und es ergibt sich ein ausgeweitetes Kreditvolumen. Während echte Ersparnisse langfristig als Kapital zur Verfügung stehen, ist die Ausweitung des Kreditvolumens jedoch nur kurzfristiger, monetärer Natur und kein Kapital. Die Kreditausweitung durch die Banken senkt den Zinssatz künstlich unter das Niveau, das er im Normalfall angenommen hätte. Damit spiegelt der Zins nicht mehr die wirklichen Präferenzen der Marktteilnehmer wieder. Diese sind nicht bereit, so lange ihren Konsum aufzuschieben, wie es der Zins anzeigt.
Durch den niedrigen Zins werden nun die Unternehmer annehmen, dass die realen Ersparnisse angestiegen wären und ihre Produktion entsprechend ausweiten. Doch die Wirklichkeit ist anders. Auf diese Weise entsteht ein künstlich erzeugter Aufschwung, bei dem die kreditfinanzierten Investitionen vor allem in Sektoren fließen, die die höchsten Gewinne erwarten lassen. Dies sind häufig kapitalintensive Sektoren wie die Immobilienbranche. Es ist damit kein Zufall, dass den Wirtschafts- und Finanzkrisen in der Vergangenheit meistens ein Bauboom vorangegangen ist. Entsprechende Ansätze sind auch heute in Deutschland zu erkennen, da der Zins niedriger ist, als er eigentlich aufgrund der Wirtschaftsverhältnisse sein müsste. Das Ergebnis eines solch künstlich niedrigen Zinses sind damit immer fehlgeleitete Investitionen, d. h. die Produktivgüternachfrage wird erhöht, während gleichzeitig die Verbraucher ihren Konsum nicht verringern.
Sobald sich die Kreditausweitung verlangsamt bzw. nicht immer weiter beschleunigt, werden die Unternehmer ihre Kapazitäten wie vorgesehen anpassen. Der Zins wird ansteigen und ein Teil der Geschäfte der Unternehmer wird unrentabel (malinvestment). Die Unternehmer, die ihre Produktionserweiterungen nicht abgeschlossen haben, werden durch das Ansteigen des Zinses besonders betroffen. Sie können die begonnenen Projekte nicht zu Ende bringen, da ihnen hierfür keine Ersparnisse zur Verfügung stehen. Arbeitskräfte, die für die Projekte eingestellt wurden, werden entlassen. Unrentable und unfertige Produktionsumwege werden geschlossen. Eine Rezession setzt ein.

 

 
 
 
 
 
 

Buchbesprechung: Wirtschaft wirklich verstehen

Krisen bringen die Menschen zum Nachdenken. Die Angst um den Arbeitsplatz und die Ersparnisse bewirken, dass das Thema Wirtschaft zum Dauerthema wird. Besonders die Frage, ob und wie die Katastrophe hätte verhindert werden können, treibt Politik, Wirtschaftstheoretiker und Medien um. Doch warum fallen die Gründe für eine Krise immer erst im Nachhinein auf? Ganz so ist es jedoch nicht: die jüngste Wirtschaftskrise wurde vorhergesehen, und das sehr präzise. Vollbracht hat das kein bekannter Prophet wie George Soros, sondern ein kleiner akademischer Kreis von Volksökonomen, die die Theorien der sogenannten Österreichischen oder Wiener Schule vertreten.
Begründet wurde die Schule im Wien der Jahrhundertwende. Wie heute handelte es sich damals um eine Zeit des Umbruchs, in der neue Ideen entstanden und begeistert diskutiert wurden. Um das Handeln der Menschen zu verstehen, entstand die Wissenschaft der Ökonomie. Während in Berlin eine Schule basierend auf Annahmen des idealen Marktes entstand, konzentrierten sich die Wiener Ökonomen auf die Gesetzmäßigkeiten der realen Märkte.
In seinem Buch stellt der Wirtschaftsphilosoph Rahim Taghizadegan die Gedanken der Österreichischen Schule zu allen wichtigen Bereichen der Wirtschaft dar. Von Werten und Kosten, Märkten und Handel über Wohlstand und Armut, Geld und Zinsen bis hin zu Banken und Wirtschaftskrisen werden alle relevanten Aspekte behandelt. Er zeigt, welche Faktoren für eine Fortsetzung der Forschung in der Tradition von Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig van Mises und Friedrich August von Hayek sprechen. Grundlagen der Österreichischen Schule sind der subjektive Grenznutzen, aus dem sich der Wert einer Sache ergibt, die minimale Einmischung des Staates in den Markt und die Freiheit des Individuums. Außerdem kommt sie völlig ohne komplizierte mathematische Formeln aus. Ergänzt mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis bietet "Wirtschaft wirklich verstehen" einen sehr guten Einblick in die Denkweise der Österreichischen Schule.
FAZIT:
Rahim Taghizadegan hat ein allgemeinverständliches Einführungsbuch zur Ökonomie der Österreichischen Schule geschrieben. Auf knapp 290 Seiten gibt er darin einen umfassenden Überblick über alle wichtigen ökonomischen Fragen und stellt den Bezug zur Gegenwart her. Erstmals wird die gesamte Bandbreite der Ökonomie für jedermann verständlich dargelegt - allerdings keine formalistische Mainstream Ökonomie, sondern Wirtschaft, wie sie der Realität entspricht. Dieses Buch bietet dem kritischen Bürger die dringend notwendige Medizin gegen die vorherrschenden Illusionen. Es stellt eine Anleitung dar, sich des eigenen Verstands zu bedienen und befreit somit aus der Abhängigkeit von vermeintlichen "Experten" und den Massenmedien.

 

Bibliografie
Rahim Taghizadegan
Wirtschaft wirklich verstehen
Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie
287 Seiten, Hardcover, 24,99 € (D)
ISBN 978-3-89879-624-8
FinanzBuch Verlag, München 2011

 

 
 
 

 

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